Mittwoch, 11. Mai 2011

Aktion GEGEN GEILE SÄUE IM MUSEUM

Es muss aufhören! Sofort und überall! Nie wieder möchte ich in einem Museum mit hübschen Jungs konfrontiert werden, die mich von der Kunst ablenken. Reicht es nicht, in jeder gottverdammten deutschen Innenstadt Trauben von geilen Typen rumstehen zu sehen – kurzhosig, durchtrainiert, schwanzlastig und völlig hetero? Es gibt Tage, da brauen sich großartige Gedanken in meinem Kopf zusammen. Ideen zu Songtexten verknüpfen sich zu Zeilen und Reimen. Schnell wandert man noch zum Supermarkt für das Abendbrot, sinnend, durchgeistigt, den Text in Gedanken weiterspinnend. Plötzlich stehen sie da vorm Burgerking: Ärmellos, frisch vom Training, Pepsi trinkend, Kaugummi kauend, am Schritt rummachend. Die Art von Typen, die ihren naturfesten Fußballkörper gar nicht noch zusätzlich trainieren müssten, um absolut geil auszusehen. Sie tun es trotzdem. Ich muss mich ernsthaft konzentrieren um nicht völlig schamlos zu glotzen und zack! Alle Gedanken kreisen um die Waden der Athleten – alles andere ausgelöscht. Die Zeilen, die Reime, die fast fertige Strophe – alles weg. Das passiert mir ungefähr zwei mal die Woche und das reicht ja wohl! 

Nun gut, die Straße. Das ist nun mal das natürlich Umfeld sportiver Jungspunde. Man kann ja auch nicht Algen aus dem Wasser jagen zum Baden. Wenn ich allerdings ins Museum gehe, erwarte ich eine sexuell reizfreie Umgebung. Da will ich alleine mit der Kunst und meinen Gedanken sein. Das Museumspublikum sollte optimal ausschließlich aus Seniorenkulturzirkeln und Geschichtsprofessoren bestehen. Wenn das aus Gründen der Diskriminierung nicht durchzusetzen ist, muss eine Gesichts- und Körperkontrolle am Einlass zumindest darauf acht geben, dass athletische Körperpartien unter sackartigen Kleidungsstücken verschwinden. Hübsche Jungs sollen zusätzlich das Gesicht vermummen (Stichwort: anklebbare Bärte). Schulklassen sowieso nur bis Einsetzen der Geschlechtsreife. Wie soll man sich auf Rubens konzentrieren, wenn sich neben einem drei 19-Jährige Berufsschüler an den Boxershorts zippeln? Das muss aufhören.

In italienische Kirchen erhält man nur Einlass, wenn man die Schultern bedeckt hat. Irgendwie muss so was ähnliches doch auch in deutschen Museen durchzusetzen sein. Doch was passiert stattdessen? Die Museen stellen die hübschen Bengel selbst ein und setzen sie an die Kasse! Es ist zum wahnsinnig werden. In Wuppertal sitzt ein so bildschöner Student im Kassenhäuschen des Museums, dass man gar nicht mehr in die Ausstellungsräume will. In direkter Konkurrenz zur Naturschönheit zieht die Kunstschönheit doch immer den Kürzeren! Ganz schlimm: München. Da haben sie einen fleischgewordenen Caravaggio-Jüngling an die Ausgabe der Audioguides gesetzt. Obwohl (oder weil?) in der Sammlung gar kein Caravaggio hängt. 
 
Ich fordere die Aktion „GEGEN GEILE SÄUE IM MUSEUM“. Segregation tut nämlich manchmal ganz gut: Die Boys kriegen Innenstadt, Strand, Park, Rewe, ach überhaupt fast alles. Uns geistigen Menschen stehen die Bibliotheken und die Kunstausstellungen zu. Es muss Sperrzonen geben, Räume zum Denken, entkörperlichte Sphären geistiger Besinnung. Das sollten uns die Prolls schon zugestehen - wir Kulturmenschen treiben uns ja auch nicht auf deren Bolzplätzen rum. Ab und zu jeder mal in sein Eckchen. Und hin und wieder mal ein Proll in mein Bettchen. Da fühlen die sich eh am wohlsten.  


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